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Erstmals seit der Spanischen Grippe (1918 bis 1920) ist eine weltweite Pandemie wieder für eine Krise in der Wirtschaft verantwortlich. Damals sank die weltweite Wirtschaftskraft um ca. 6%, der Konsum ging sogar um knapp 8% zurück. Zum Vergleich schrumpfte die deutsche Wirtschaft im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2009 um 5,7%, was den größten Rückgang seit dem zweiten Weltkrieg bedeutete.

Für die aktuelle, COVID-19 bedingte, Lage geht der internationale Währungsfonds von einem Rückgang der Weltwirtschaft um ca. 3% aus. Das Bundeswirtschaftsministerium prognostiziert für Deutschland im Jahr 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,8%.

Die Weltwirtschaft wird sich nach Meinung der Experten erst langsam erholen, Gleiches gilt für die meisten europäischen Länder. Für Deutschland allerdings wird schon für das zweite Halbjahr 2020 mit einer Erholung der Lage gerechnet und für 2021 prognostiziert das BMWI ein Wachstum von ca. 4,4%. Optimisten rechnen gar damit, dass die deutsche Wirtschaft Ende 2021 das Niveau von Ende 2019 erreicht haben wird.

Wie sollen sich nun Arbeitnehmer in diesen Zeiten verhalten, wenn ihnen ein Jobangebot gemacht wird, wenn sie durch einen Personalberater auf eine Vakanz angesprochen werden oder wenn sie eigentlich den Wunsch hegen, sich beruflich zu verändern?

Die Beantwortung dieser Fragen geht nicht pauschal. Es sind unterschiedliche Faktoren zu beachten, auf die ich in der Folge kurz eingehen möchte:

1. Private Situation:

Was passiert im worst case, nämlich dann, wenn der Jobwechsel ein Fehler war und das Arbeitsverhältnis in der Probezeit beendet wird? Kann ich mir eine gewisse Zeit der Arbeitslosigkeit finanziell leisten? Ist mein Qualifikationsprofil grundsätzlich am Arbeitsmarkt gefragt, so dass ich sicher sein kann, auch dann schnell wieder eine neue, interessante Position zu finden?

2. Situation des aktuellen Arbeitgebers:

Wie geht es meinem aktuellen Arbeitgeber? Hat sich die Auftrags- und Ertragslage während der Pandemie (negativ) verändert? Ist mein Arbeitsplatz zumindest mittelfristig sicher? Wie geht das Management meines Arbeitgebers eigentlich mit der Pandemie um? Zeigt es ein gutes Krisenmanagement mit Ruhe und Weitsicht oder neigt es zu Aktionismus? Habe ich Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens?

3. Situation des potenziellen neuen Arbeitgebers und Attraktivität des Jobs:

Die gleiche Analyse gilt es auch für den potenziellen neuen Arbeitgeber anzustellen. Wie hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren performt? Wie hat sich z.B. der Aktienkurs entwickelt? Ist das Unternehmen in einem Bereich aktiv, der von der Pandemie besonders betroffen ist? Gibt es aktuell Kurzarbeit im Unternehmen? Wenn ja, in welchen Abteilungen und warum? Oder profitiert das Unternehmen vielleicht sogar von der aktuellen Situation? Sind die Aussagen der Ansprechpartner im Interviewprozess glaubhaft und belegbar? Ist der angebotene Job eine echte Weiterentwicklung für mich oder gibt es „nur“ mehr Geld? Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten sehe ich bei diesem Unternehmen? Wie ist die Kultur im Unternehmen? Passt das zu mir?

Jobwechsel in Krisenzeiten

© olly - stock.adobe.com

Fragen, Fragen, Fragen und bis hierhin noch keine Antworten. Abschließende Antworten zu geben, möchte ich mir gar nicht anmaßen, aber vielleicht meine persönliche Meinung:

Die meisten Unternehmen in Deutschland werden die Pandemie einigermaßen unbeschadet überstehen. Wer in der Zeit vor COVID-19 gut dastand, bis dahin mehr richtig als falsch gemacht hat und auch während der Krisenzeit keine unüberlegten Entscheidungen getroffen hat, wird Ende 2021 analog zur Gesamtwirtschaft wieder auf das Niveau vor COVID-19 zurückgekehrt sein. Es wird aber auch Ausnahmen geben, Unternehmen, die profitieren und solche, die das Niveau von Dezember 2019 nicht erreicht haben werden. Es gibt Branchen, die leider nachhaltig Schaden nehmen werden (z.B. Tourismus) und solche die ebenso nachhaltig profitieren (z.B. Anbieter von Videokonferenzlösungen, Cloud-Anbieter, etc.).

Ein Jobwechsel in eine offensichtlich stark betroffene Branche ist aktuell eher mit Vorsicht zu genießen, darf aber auch nicht pauschal abgelehnt werden. Vielleicht verbirgt sich hier eine echte Chance auf den nächsten Karriereschritt. Eine Vakanz in einer der profitierenden Branchen ist ebenso nicht gleichzusetzen mit einer Garantie auf Erfolg in der Zukunft.

Wer heute akut von Arbeitslosigkeit bedroht ist, weil das Unternehmen (verschuldet oder unverschuldet) in Probleme geraten ist, tut sich mit einer Entscheidung für einen neuen Arbeitgeber natürlich leichter. Das gilt heute in Zeiten von COVID-19, das galt aber auch schon davor.

Etwas anderes ist es für diejenigen, die heute einen (zumindest vermeintlich) sicheren Arbeitsplatz haben. Diesen möchte ich zurufen:
Wenn heute ein Unternehmen trotz der Pandemielage die Entscheidung getroffen hat, neue Mitarbeiter einzustellen und hierfür sogar die (kostenpflichtigen) Dienste eines Personalberaters in Anspruch nimmt, dann meint es dieser Arbeitgeber auch sehr ernst. Das Management dieses Unternehmens plant mit Weitsicht, auch schon für die Zeit nach der Pandemie, hier stehen die Zeichen auf Wachstum, die Auftragslage ist aktuell mindestens stabil, die Ertragslage ebenso. Tendenziell kommt dieses Unternehmen gut durch diese turbulenten Zeiten.

Abschließend bin ich der Meinung, dass ein Wechsel heute genauso wohl überlegt sein sollte, wie vor Dezember 2019. Aber vielleicht ist er in diesen Zeiten sogar risikoloser, weil sich die Spreu der Angebote/ Unternehmen klarer vom Weizen trennen lässt. Ein Restrisiko bleibt, aber das war auch schon immer so.

 

 

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Über den Autor

Sascha Meyer ist geschäftsführender Gesellschafter der Meyer Associates GmbH und bietet mit seinem Team spezialisierte und auf die konkreten Kundenbedürfnisse zugeschnittene Personalberatung.

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